Schriftliche Anfrage
08.12.2025
In einer Schriftlichen Anfrage (Drucksache 19/24 572) habe ich gemeinsam mit meiner Kollegin Klara Schedlich den Senat zur Zukunft des Stadtbads Steglitz befragt. Seit Jahren steht die Frage im Raum, ob das historische Gebäude ein "Lost Place" bleibt oder wieder als Schwimmbad und Begegnungsort für die Menschen im Bezirk nutzbar gemacht wird.
Zentrale Ergebnisse der Anfrage
Aktuelle Situation & Eigentum: Das Stadtbad steht derzeit komplett leer und wird nicht genutzt, da zunächst eine mögliche Schadstoffbelastung evaluiert werden muss. Das Grundstück befindet sich im Eigentum der Liegenschaftsfonds Berlin GmbH & Co. KG und wird durch die BIM GmbH verwaltet.
Geplantes Verfahren: Der Senat verfolgt das Ziel, die Liegenschaft im Erbbaurecht über ein sogenanntes Konzeptverfahren zu vergeben. Eigene bauliche Sanierungs- oder Wiederherstellungsmaßnahmen plant der Senat an dem Gebäude nicht.
Nutzungsideen: Bei einem vorgeschalteten Interessenbekundungsverfahren im Jahr 2020 wurden vier unterschiedliche Konzepte eingereicht. Die Ideen reichten von einer Schwimmschule über multifunktionale Begegnungsorte bis hin zu einem Hallenbad mit Wellness- oder Gesundheitsfokus. Diese Ergebnisse sollen in das künftige Konzeptverfahren einfließen.
Verzögerungen durch Brandschutz: Es gibt aktuell weder festgelegte Bewertungskriterien für die Konzepte noch einen Zeitplan für eine mögliche Wiedereröffnung. Der Grund: Vor dem Start des Konzeptverfahrens muss das Grundstück rechtlich und tatsächlich vom bezirklichen Nebengebäude in der Bergstraße 90 getrennt werden, was aufgrund brandschutzrechtlicher Voraussetzungen problematisch ist.
Beteiligung: Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf befindet sich zur Lösung der Brandschutz- und Teilungsprobleme im Austausch mit der BIM und ist im Steuerungsausschuss Konzeptverfahren stimmberechtigt. Dieser Ausschuss wird zudem von einem zivilgesellschaftlichen Beirat beraten.
Politische Bewertung
Dass das Stadtbad Steglitz weiterhin ein ungenutzter "Lost Place" bleibt, ist ein überaus frustrierendes Signal für die Bürger*innen im Bezirk. Fünf Jahre nach dem ersten Interessenbekundungsverfahren von 2020 hängt der Fortschritt noch immer an bürokratischen Grundstücksteilungen und ungelösten Brandschutzfragen fest. Dass der Senat selbst keinerlei Mittel für bauliche Maßnahmen in die Hand nimmt und stattdessen sämtliche finanzielle Lasten und Planungen auf ein noch gar nicht gestartetes Konzeptverfahren abwälzt, zeigt einen bedenklichen Mangel an politischem Gestaltungswillen für den Erhalt von sozialer Infrastruktur. Die Einbindung eines zivilgesellschaftlichen Beirats ist zwar grundsätzlich positiv zu bewerten, läuft aber ins Leere, solange das Verfahren überhaupt nicht vom Fleck kommt.
Mein Fazit
Steglitz braucht dringend Orte für Begegnung, Sport und Gesundheit, keine dauerhaften Bauruinen im Bezirkszentrum. Senat, BIM und Bezirk müssen die brandschutzrechtlichen Hürden nun endlich priorisiert aus dem Weg räumen, damit das Konzeptverfahren zügig starten kann. Das Stadtbad darf nicht weiter verfallen, während man sich hinter den Kulissen jahrelang mit Grundstücksgrenzen beschäftigt.
Hier gehts zur schriftlichen Anfrage: Link
