Ausbildungsstopp an der Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Ausbildungsstopp an der Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Schriftliche Anfrage

29.10.2025

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In einer Schriftlichen Anfrage (Drucksache 19/24 138) habe ich den Senat zu einem alarmierenden Vorgang befragt: dem geplanten Ausbildungsstopp an der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB). Vor dem Hintergrund des wachsenden Fachkräftemangels und der Vorbildfunktion landeseigener Einrichtungen wirft dieser Schritt viele Fragen auf.

Zentrale Ergebnisse der Anfrage

  • Ausbildungsstopp 2025: Die ZLB wird im Jahr 2025 temporär keine neuen Ausbildungsplätze für Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste (FaMI) anbieten. Ursprünglich waren für das Jahr 2 bis 3 Neubesetzungen vorgesehen. Aktuell befinden sich noch vier Personen an der ZLB in der Ausbildung.

  • Finanzielle Ursachen: Grund für die Aussetzung ist das abgesenkte Zuschussniveau infolge der Haushaltskonsolidierung. Da Sachkosten kaum kürzbar sind, muss die ZLB bis 2029 sukzessive 30 Vollzeitäquivalente (ca. 10 Prozent der Belegschaft) über Fluktuation abbauen.

  • Schutz vor Überlastung: Das Pausieren der Ausbildung ist laut ZLB notwendig, um das Bestandspersonal – insbesondere durch den Wegfall der Betreuungsaufwände – vor einer überproportionalen Arbeitsbelastung durch den Stellenabbau zu schützen. Zudem widerspreche eine spätere Übernahmeverpflichtung von Auszubildenden dem geplanten Personalabbau.

  • Kosten pro Platz: Die durchschnittlichen Personal- und Sachkosten für einen FaMI-Ausbildungsplatz belaufen sich nach Angaben der ZLB auf ca. 25.000 Euro pro Jahr (exklusive der indirekten Kosten wie der Zeit für Praxisanleitende).

  • Verantwortung und JAV: Der Senat erkennt zwar den Fachkräftemangel an, verweist aber auf die wirtschaftlich-organisatorische Autonomie des Stiftungsvorstands, der das Sparpaket geschnürt hat. Ob durch den Ausbildungsstopp die nötige Anzahl an Personen für eine Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) unterschritten wird, könne der Senat derzeit nicht beurteilen und treffe dazu keine Vermutungen.

Politische Bewertung

Der Ausbildungsstopp an der ZLB ist ein fatales Signal und entlarvt einen gravierenden Widerspruch: Zwar erkennt der Senat die Förderung von Ausbildung als kultur- und arbeitsmarktpolitisch geboten an, stiehlt sich bei der konkreten Problemlösung aber aus der Verantwortung. Dass eine so zentrale landeseigene Einrichtung aufgrund von Sparvorgaben gezwungen ist, ihren Ausbildungsverpflichtungen nicht mehr nachzukommen, konterkariert die Ziele der Regierungspolitik eklatant. Zudem ist es höchst besorgniserregend, dass die Konsequenzen für die betriebliche Mitbestimmung (JAV) vom Senat schlichtweg ausgeklammert werden.

Mein Fazit

Sparen auf dem Rücken der Ausbildung und der zukünftigen Fachkräfte ist extrem kurzsichtig. Das Land Berlin muss seiner Vorbildfunktion gerecht werden und sicherstellen, dass seine Stiftungen und Einrichtungen auch in finanziell schwierigen Zeiten in der Lage sind, junge Menschen auszubilden und dem Fachkräftemangel aktiv entgegenzuwirken.

Hier gehts zur schriftlichen Anfrage: Link