Schriftliche Anfrage
05.03.2026
Mit meiner Kollegin Laura Neugebauer habe ich in einer Schriftlichen Anfrage (Drucksache 19/25 489) den Senat zur Zukunft des Kinos Capitol Dahlem sowie zu den generellen Flächenplanungen und Liegenschaften der Freien Universität (FU) Berlin befragt.
Zentrale Ergebnisse der Anfrage
Freizug des Capitol Dahlem: Das landeseigene Gebäude in der Thielallee 36 wird derzeit gemeinsam von der FU Berlin und der Yorck-Kinogruppe genutzt. Die FU plant jedoch, das Gebäude im Jahr 2027 freizuziehen. Über die künftigen Nutzungsmöglichkeiten der Liegenschaft wird aktuell noch beraten.
Zukunft der „Blätterlaube“: Die an das Kino angrenzende Fläche gehört zum selben Grundstück. Deren Zukunft ist abhängig von der künftigen Gesamtnutzung, allerdings erarbeitet die FU bereits Szenarien für eine Verlagerung der „Blätterlaube“.
Fehlende Einbindung des Bezirks: Die zuständige Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege (SenWGP) hat bezüglich der Zukunft des Capitol Dahlem bislang noch keine Gespräche mit dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf geführt.
Liegenschaftsverkäufe: Aktuell ist kein Verkauf von Grundstücken geplant, die der FU Berlin zur Verwaltung und Bewirtschaftung überlassen wurden. Eventuelle Umnutzungen müssten ohnehin zunächst den Clusterungsprozess im Rahmen des landeseigenen Portfolioausschusses durchlaufen.
Strategie zur Flächenreduzierung: Die FU strebt eine Konsolidierung ihres Immobilienbestandes an. Der Fokus liegt im ersten Schritt auf der Reduzierung von angemieteten Liegenschaften. Langfristig sollen die Kerncampusbereiche gestärkt und Liegenschaften in Einzellagen abgegeben werden.
Politische Bewertung
Die Antworten des Senats lassen die Alarmglocken für den Kulturstandort Dahlem schrillen. Dass die FU plant, sich 2027 aus der Thielallee 36 zurückzuziehen, während die künftige Nutzung völlig in den Sternen steht, gefährdet den Fortbestand des Capitol Dahlem massiv. Besonders irritierend ist das kommunikative Vakuum: Dass die Senatsverwaltung in dieser sensiblen Frage noch nicht einmal den Austausch mit dem Bezirk Steglitz-Zehlendorf gesucht hat, zeugt von mangelndem politischen Problembewusstsein. Zwar sind aktuell keine direkten Grundstücksverkäufe geplant, jedoch drohen durch die Strategie der FU, sich aus "Einzellagen" zurückzuziehen, wichtige kulturelle und soziale Begegnungsorte wie das Kino und die Blätterlaube dem Flächenmanagement zum Opfer zu fallen.
Mein Fazit
Das Capitol Dahlem darf nicht auf dem Altar der universitären Flächenkonsolidierung geopfert werden. Eine Abgabe von Liegenschaften in Einzellagen mag immobilienwirtschaftlich für die FU Sinn ergeben, stadt- und kulturpolitisch ist es jedoch ein fataler Fehler, wenn dadurch gewachsene Institutionen verschwinden. Der Senat muss seiner Verantwortung gerecht werden und umgehend Gespräche mit dem Bezirk und den Kinobetreibern aufnehmen, um eine langfristige Perspektive für den Erhalt des Capitol Dahlem über das Jahr 2027 hinaus zu sichern.
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